Samstag, 31. August 2013

Spiegel (2011)

„Hässliche, fette Kuh“, ist der erste Gedanke, der mir durch den Kopf geht, wenn ich in den Spiegel sehe. Mein Fett quillt überall raus, meine Arme schwabbeln. Ich bin fett, an jeder Körperstelle nur fettes Geschwabbel. Pickelige Haut, hässliches Gesicht. Ich hasse mich, jeden Tag mehr und jeden Tag aufs neue. Jeden Zentimeter an mir verabscheue ich zu tiefst. Ich hasse meine Tränen, sie zeigen meine wahren Gefühle. Ich liebe den Regen. Beruhigendes, gleichmäßiges Klopfen an der Scheibe oder nass draußen stehen, hemmungslos weinen und keiner merkt es. Ich liebe es. Menschen hasse ich nicht, denn ich will für Menschen, die ich nicht ausstehen kann keine Gefühle haben. Sie haben mich, das fette, hässliche Mädchen, nicht verdient. Mich hat keiner verdient, keiner will mich oder mag mich. Sie verabscheuen mich und das ist meine Schuld. Ich bin schuld daran, wie ich bin, ich schaffe es nicht die Diät durchzuhalten, ich schaffe es nicht auf Menschen zuzugehen, ich schaffe nichts. Wegen mir haben sich meine Eltern getrennt und wegen mir sind sie traurig. Wegen mir können sie nächtelang nicht schlafen und wegen mir verlieren sie Tränen.

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